Neu in Bissendorf: Soziale Schuldnerberatung
Darüber redet niemand gern: Wenn ein Mensch in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Doch in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Ratsuchenden in diesem Bereich bundesweit zugenommen. Die Gründe für Überschuldung sind mannigfach. Sie reichen vom Verlust des Arbeitsplatzes über Trennung und Krankheit bis hin zu Überforderung.
Durch die Teuerungsrate ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend auch in unserer Region fortsetzen wird. Aktuellen Statistiken zufolge gelingt es im Nordkreis 17 Prozent der Haushalte nicht mehr, die Waage aus Einnahmen und Ausgaben langfristig zu halten. Im Südkreis liegt der Prozentsatz immerhin bei über 10 Prozent.
Fatal: Häufig suchen Betroffene die Schuldnerberatung erst auf, wenn die Not groß ist und die Probleme sehr komplex geworden sind. Wenn so genannte Primärausgaben wie die Miete nicht mehr geleistet werden können, Wohnungslosigkeit, eine Energiesperre oder Kontopfändung droht, bedarf es einer umfassenden Fachberatung für die jeweilige soziale und psychische Lebenssituation und Expertise für die materielle Notlage.
Die jüngste Ausschreibung des Landkreises Osnabrück für die Soziale Schuldnerberatung konnte jetzt das Diakonische Werk des Ev.-luth. Kirchenkreises Bramsche (DWB) gemeinsam mit dem Katholischen Verein für soziale Dienste in Osnabrück (SKM) als Bietergemeinschaft gewinnen.
Die Beratungsstellen beider christlicher Anbieter sind über das gesamte Gebiet des Landkreises verteilt. Der neue Standort der Sozialen Schuldnerberatung in Bissendorf (DWB) und eine weitere Anlaufstelle in Dissen (SKM) sollen das Gesamtangebot im ländlichen Raum nun für die Dauer von zwei Jahren erweitern. Insgesamt wurden so jeweils 30 Stunden Soziale Schuldnerberatung pro Woche nach § 11 Abs. 4 SGB XII und § 16a Nr. 2 SGB II im Südkreis und im Nordkreis durch die Bietergemeinschaft gesichert.
Elena Fitler leitet künftig das neue Angebot der Sozialen Schuldnerberatung in Bissendorf. Foto: Gemeinde Bissendorf
Zum Auftakt des neuen Angebots in der Gemeinde Bissendorf stellten sich die Akteure nun der Öffentlichkeit vor. Hier wird die offene Sprechstunde ab sofort immer dienstags von 9.30 bis 11.00 Uhr im Rathaus/Haus Bissendorf und nach Vereinbarung durch Elena Fitler, Leitung der Nebenstelle Fürstenau des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Bramsche, durchgeführt.
Die Kontaktaufnahme zwecks Beratung kann während dieser Zeit unter Telefon 05431/906183 sowie an jedem anderen Werktag über die weiteren Dienststellen des DWB in Bohmte, Bramsche, Fürstenau oder Quakenbrück erfolgen: https://www.diakonisches-werk-bramsche.de/pages/angebote___hilfen/soziale_schuldner-und_insolvenzberatung/index.html
Die Zahl der Neuberatungen beziffert Ralf Krons, Fachdienstleiter Soziale Schuldner- und Insolvenzberatung SKM Osnabrück im Jahr 2025 auf 1327 Fälle. Zahlen, welche Natalia Gerdes, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Bramsche, auch für ihre Beratungsstellen bestätigen kann.
Mussten sich Betroffene aus Bissendorf bislang in benachbarte Kommunen wie Osnabrück, Melle, Belm, Bad Essen, Bohmte oder Georgsmarienhütte begeben, kann die Bietergemeinschaft dank der Losgewinnung für die Soziale Schuldnerberatung ab sofort auch vor Ort nah am Bürger sein, um in Kooperation mit einem regionalen Netzwerk weiterer Fachleute bestmögliche Auswege aus der Schuldenfalle zu suchen.
Zu diesem Zweck gehen die Berater Mithilfe einer klassischen Budgetberatung und einer detaillierten Haushaltsplanung den Ursachen für die Verschuldung auf den Grund, überprüfen Gläubigerforderungen und entwickeln anschließend gemeinsam mit den Hilfesuchenden unter Berücksichtigung der jeweiligen finanziellen Ressourcen Perspektiven zur Schuldenregulierung sowie Lösungsstrategien auf Basis gesetzlich geregelter Verfahren.
Ziel ist dabei stets ein außergerichtlicher Einigungsprozess. Reichen die aufgezeigten Möglichkeiten zur Eigenverantwortlichkeit und Selbsthilfe nicht aus, werden die Betroffenen im Verbraucherinsolvenzverfahren begleitet.
„Ich wünsche dem neuen Angebot, zu dessen Durchführung die Gemeinde Bissendorf kostenlos einen Raum zur Verfügung stellt, alles Gute!“, betonte Bürgermeister Guido Halfter im Beisein von Bernd Stegmann, Fachdienstleiter Ordnung und Soziales. „Schuldnerberatung ist kein Randthema – sie ist ein zentraler Baustein eines sozialen und handlungsfähigen Gemeinwesens“, so Halfter weiter.
Hinweis: Die Soziale Schuldnerberatung im Landkreis Osnabrück ist vertraulich und kostenlos. Das Angebot ist offen für alle Menschen unabhängig von Konfession, Herkunft oder Alter.
