22. Tag des BISSes holte besonderes Engagement auf die Bühne
Moderator Ludger Abeln mit den drei Geehrten beim "Tag des BISSes 2026" und Bürgermeister Guido Halfter. Foto: Antje Meyer-Dokus
Sanfte Klänge, entspanntes Ankommen mit Sektempfang, stimmungsvolle Fotos und jede Menge Wertschätzung: Diese Komponenten bestimmten am Abend des 27. Mai 2026 das Geschehen im und rund um das Rathaus.
Zum „22. Tag des BISSes“ hatte die Gemeinde Bissendorf dazu aufgerufen, Menschen vorzuschlagen, die exemplarisch für tausend weitere Ehrenamtliche vor Ort für ihr besonderes bürgerschaftliches Engagement mit der „Haifischflosse“ ausgezeichnet werden sollen. Eine Jury mit Vertretern aus Rat und Verwaltung entschied sich schließlich für vier zu ehrende Personen.
Bürgermeister Guido Halfter und der ehemalige NDR-Moderator Ludger Abeln begrüßten im festlich dekorierten Bürgersaal mehr als 100 geladene Gäste. Halfter betonte eingangs, dass eine Gemeinde nicht nur aus Straßen, Zahlen und Haushaltswesen bestehe.
Er zitierte in diesem Zusammenhang Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der anlässlich des Grundgesetz-Jubiläums am 23. Mai 2026 den deutschlandweiten Ehrentag ausgerufen hatte: „Demokratie ist nicht nur Kopfsache, sie braucht Arme und Beine, Menschen, die sich einmischen und mitmachen. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.“
Jakob Lübke untermalte die Gala mit stimmigen Melodien und Gesang. Foto: Gemeinde Bissendorf
Mit Songs wie „Today is your lucky day“ von Sasha, „Danke“ von Ronja Forcher und „Ein Kompliment“ von Sportfreunde Stiller schaffte Musiker Jakob Lübke die dazu passende Atmosphäre der Anerkennung und Aufmerksamkeit.
Warum die Gemeinde Bissendorf das ehrenamtliche Wirken ihrer Bürgerinnen und Bürger ausgerechnet mit einer handgetöpferten Haifischflosse auszeichnet, begründete das Moderatoren-Duo wie folgt:
„Die Flossen sind Unikate, wie die Geehrten selbst. Haie sind ständig in Bewegung, sonst würden sie untergehen. Sie haben Ausdauer, eine dicke Haut und Zähne, die sie sowohl für ein verbindendes Lächeln, als auch für den nötigen Biss, im Sinne von Tatkraft, einsetzen.“ Kurz darauf ging die erste Ehrung des Abends über die Bühne:
Lars Knäuper – Dauereinsatz für das Dorfgemeinschaftshaus
Lars Knäuper erhielt die Haifischflosse für sein unermüdliches Engagement rund um das Dorfgemeinschaftshaus Schledehausen. Foto: Antje Meyer-Dokus
Auf Vorschlag des Ratsherren Volker Buch wurde Lars Knäuper aus Linne geehrt. Der 2,02 Meter große Präsident des Schützenvereins Schledehausen war schon vor seinem Amtsantritt vielfältig freiwillig engagiert - zum Beispiel als Fußballtrainer einer Jugendmannschaft der Sportfreunde Schledehausen oder als Pressewart des Schützenvereins Schledehausen.
Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Schützenpräsidenten Egon Mandrella wuchs Knäuper verstärkt ins Ehrenamt. Er verwirklichte dessen Vision eines echten Dorfgemeinschaftshauses in Schledehausen, in dem heute viele örtliche Vereine ein Zuhause für regelmäßige Treffen und besondere Veranstaltungen gefunden haben. Angefangen bei den Schützen selbst, über den MGV Schledehausen und die Feuerwehr bis hin zu Landfrauenvereinen oder Seniorenkreisen.
Die langjährige Vorarbeit und zahlreiche Förderanträge für die gelungene „Koproduktion“ kamen beim Bühnen-Talk mit Amtsvorgänger Kai Igelmann und Gemeindebrandmeister Torben Preuss ebenso zur Sprache, wie die Corona-bedingt zwei Jahre andauernde Bauphase, in der der Geehrte quasi sein Feldbett im Dorfgemeinschaftshaus aufgeschlagen hatte.
Ernst Schürmann – Tatkraft, nicht nur an den Orgeltasten
Das schafft kein Papst: Ernst Schürmann, genannt "Erni", brachte sich und sein Talent 75 Jahre im Kirchendienst ein und wirkte in vielen Wissinger Vereinen. Foto: Antje Meyer-Dokus
Der Pfarrbeauftragte Thomas Steinkamp schlug Ernst Schürmann als zweiten Preisträger des Abends vor. Ulrich Bosse, Präsident des Schützenvereins Wissingen, in dem der Geehrte ebenso lange wirkte, wie im örtlichen Sportverein, begleitete den Leiter der katholischen Pfarreiengemeinschaft auf die Bühne.
„Ernst Schürmann ist ein Mann der ersten und der letzten Stunde!“, erklärte Steinkamp. „Er war sage und schreibe 75 Jahre im Kirchendienst und begleite das Geschehen in der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde Wissingen von der ersten bis zur letzten Heiligen Messe.“
„So lange hat noch kein Papst gemacht!“, unterstrich Schürmann, der kurz darauf auf die Bühne gebeten wurde und von einer Gemeindefahrt nach Rom berichtete, bei der er sich ebenfalls an die Orgel „schummelte“.
Mit acht Jahren in den Kirchendienst eingetreten, wurde Ernst Schürmann (von vielen auch liebevoll „Erni“ genannt) ab August 1950 als Messdiener aktiv. Feiern und Gottesdienste im Saal der Gaststätte Nolte und Lehrstunden im Wohnzimmer der damaligen Küsterin prägten diesen Lebensabschnitt.
Zwei Jahre nach der ersten Heiligen Messe am 1. November 1957 (Schürmann war damals erst 15 Jahre alt) folgte der Umzug des von ihm bespielten Harmoniums in die neu errichtete Herz-Jesu-Kirche. Ab 1963 saß er an der Orgel, für die er das Pedalspiel neu erlernen musste.
Kurz darauf engagierte sich der Geehrte mehr als zehn Jahre auch im Vorstand seiner Kirchengemeinde. Dabei entgingen ihm keineswegs die abnehmende Zahl der Gottesdienstbesucher. Herzlichkeit gegenüber Menschen bewies er zudem durch die Unterstützung Geflüchteter.
Vor der Verleihung blickte Guido Halfter auf eine besondere Erfahrung mit dem Geehrten zurück: „Als ich vor zwei Jahren die schwere Aufgabe hatte, vor der versammelten Gemeinde die Rückbaupläne für die inzwischen profanierte Herz-Jesu-Kirche zu verkünden, an deren Stelle die neue Grundschule Wissingen entstehen soll, kam Ernst vom Orgelboden runter, schritt durch den Mittelgang nach vorne zum Rednerpult und hielt eine flammende Rede für diese Veränderung.“
Sabine Dörmann – stilles Multitalent im ehrenamtlichen Wirken
Als einzige Dame wurde am "22. Tag des BISSes" die Schledehauserin Sabine Dörmann geehrt und von Ludger Abeln auf die Bühne geholt. Foto: Antje Meyer-Dokus
Als dritte Person wurde am „22. Tag des BISSes“ Sabine Dörmann geehrt. Im Interview mit Ludger Abeln erfuhr das Publikum einiges über die Dame, die als „Multitalent im ehrenamtlichen Wirken“ gerne im Stillen und Verborgenen bleibt:
Ob als „Gute Seele“ der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Laurentius, im Planungsteam der LandArt Schledehausen oder als Querflötistin und stellvertretende Leiterin des Feuerwehrmusikzugs – Sabine Dörmann ist immer da, wenn man sie braucht!
„Sabine wagte seinerzeit als erste Frau den Schritt in die örtliche Freiwillige Feuerwehr. Sie ist das Bindeglied zwischen den Künstlern und den aktiven Kameraden“, wusste Gemeindebrandmeister Torben Preuss zu berichten und betonte: „Da wo Musik ist, ist die die Stimmung immer besser!“.
Ulrich Wienke, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Schledehausen, ergänzte: „Ob schmückende Dekoration, Essen oder Getränke – Sabine managt die ´Alte Werkstatt´ mit Präzision und organisiert vieles rund um unser kleines Vereinsheim mit immer wieder neuen, eigenen Ideen.“
Mit den Worten „Das war nicht einfach…“ berichtete Guido Halfter von vielen Telefonaten, in denen er Überzeugungsarbeit leisten musste, damit die zu Ehrende auch wirklich zur Übergabe der „Haifischflosse“ erschien. Auch wenn ihr dabei kein „großes Trommeln“ zugesichert wurde, durfte im Anschluss an die Übergabe der mit Namen und Jahreszahl versehenen Trophäe ein kleines Überraschungsständchen ihres Feuerwehrmusikzuges nicht fehlen.
Horst Depenthal – ein Unikat im TV Bissendorf-Holte und Heimat- und Wanderverein
Horst Depenthal, am Abend der Verleihung aus gesundheitlichen Gründen verhindert, wird nachträglich für sein langjähriges Wirken im TV Bissendorf-Holte und im Heimat- und Wanderverein Bissendorf geehrt. Foto: Gemeinde Bissendorf
Ein weiterer Bissendorfer, der am „22. Tag des BISSes“ die ihm gebührende öffentliche Wertschätzung erfahren sollte, konnte der Veranstaltung aus gesundheitlichen Gründen leider nicht beiwohnen:
Horst Depenthal, ein Unikat im TVBissendorf-Holte und der Technischen Abteilung im Heimat- und Wanderverein Bissendorf, liegt seit vielen Wochen im Krankenhaus. „Seine Auszeichnung werden wir auf jeden Fall nachholen“, unterstrich Bürgermeister Guido Halfter, der den zu Ehrenden vor Kurzem im Franziskus-Hospital besucht hatte.
„Ich ziehe den Hut vor den vielen Ehrenamtlichen in unserer Gemeinde und vor ihrem Mut“, unterstrich Halfter. Seinen Dank richtete der Bürgermeister auch an alle Partner der Geehrten, die angesichts des großartigen Engagements oftmals auf deren Anwesenheit verzichten mussten.
Mit dem launigen Spruch: „Wenn Sie meinen: hat er gut gemacht – bin ich Ludger Abeln. Sind Sie der Ansicht: dass ging so, dann bin ich Jörg Pilawa!“, beendete der Moderator des Abends den offiziellen Part, bevor die Gäste bei Speisen und Getränken in den angeregten Austausch gingen. Vielleicht auch darüber, wen man für sein vielfältiges Engagement vor Ort für eine der kommenden Haifischflossen vorgeschlagen könnte?!
