Klimawandel stellt Feuerwehren vor komplexe Herausforderungen

Veröffentlicht am: 07.09.2026

Zugübung Fachzug "Wassertransport" 05.09.2026Einsatzfahrzeuge des Fachzugs 5 "Wassertransport" bei einer Übung Anfang September auf Kreisbereitschaftsebene in Bissendorf. Die Freiwillige Feuerwehr Bissendorf beschäftigt sich schon seit Längerem mit Lösungsmöglichkeiten zur Anpassung an den auch diesen Sommer wieder spürbaren Klimawandel.

Bedingt durch lange Trockenperioden und deutlich abfallende Grundwasserspiegel reichen jahrzehntelang nutzbare Teiche nicht mehr zur Sicherung der Löschwasserversorgung in der Gemeinde aus. Von insgesamt 90 für die Feuerwehr gelisteten Löschwasserteichen/ Wasserbehältern mussten inzwischen 14 aufgegeben werden. Weitere sieben gilt es nachhaltig in Stand zu setzen.

Im Jahr 2023 wurde darum der „Arbeitskreis Löschwasserversorgung“ unter der Leitung des Gemeindebrandmeisters Torben Preuss eingerichtet. In den vergangenen Jahren hat dieses Gremium in unzähligen Stunden verschiedene Lösungsansätze zur Umsetzung erarbeitet, um die Löschwasserkapazitäten auf vorhandenen Fahrzeugen zu ergänzen.

Bereits in der Sitzung des Feuerwehrausschusses im Frühjahr 2024 wurde seitens der Gemeindefeuerwehr die Beschaffung eines Wechselladerfahrzeuges (WLF) als wesentliches Element zur Sicherstellung der Löschwasserversorgung vorgestellt. Insbesondere in den Außenbereichen der Gemeinde Bissendorf, wo in der Regel keine Hydranten zur Verfügung stehen, herrscht eine weitestgehende Unterversorgung des rechtlich empfohlenen Löschwasserbedarfs.

Zwar plant der Landkreis Osnabrück die Auslieferung eines WLF mit Abrollbehälter für 8.000 Liter Wasser, das im Jahr 2027 im Feuerwehrhaus Bissendorf stationiert werden soll. Jedoch steht das Spezialfahrzeug auf überörtlicher Bereitschaftsebene bei einem Einsatzfall auf dem Gebiet der Gemeinde Bissendorf nur bedingt zur Verfügung.

Im Jahr 2024 wurde darum ein „Arbeitskreises WLF“ eingerichtet - mit dem Auftrag unterschiedliche Fahrzeugvarianten für die Eigenbeschaffung zu prüfen und zu bewerten. Die konkreten Ergebnisse des Gremiums wurden jetzt in der öffentlichen Sitzung des Feuerwehrausschusses vorgestellt:

Als langfristiges Konzept schlägt die Freiwillige Feuerwehr Bissendorf die Beschaffung eines multifunktional auch für andere Ladungen einsetzbaren WLF (Fahrgestell vierachsig/Allrad-getrieben) mit Abrollbehälter Wasser vor, das im neu zu errichtenden Feuerwehrhaus Schledehausen stationiert werden soll.

Die Beschaffungskosten des Spezialfahrzeugs mit hoher Transportkapazität (14.000 Liter Löschwasser) schätzt die Gemeindefeuerwehr aktuellen Marktbeobachtungen zufolge auf circa 550.000 Euro für das Trägerfahrzeug und die Erstkomponente AB Wasser. Eine genauere Preiskalkulation ist erst im Ausschreibungsjahr möglich. Zum Vergleich: Die Kompensation der wegfallenden Teiche durch Löschwasserbehälter würde mit circa 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Der Lösungsvorschlag berücksichtigt die Kombination verschiedener Einzelmaßnahmen zur signifikanten Verbesserung der Löschwasserversorgung für einen Großteil der Einsätze. Sie alle sollen durch Wasservorhaltung auf Fahrzeugen und in Behältern Zeit gewinnen, um durch Pendelverkehr oder Förderstrecke weitere Löschwassermengen an die Einsatzstelle zu bekommen.

„Zusätzlich versuchen wir mit Eigentümern, die ihre Güllebehälter aufgeben wollen, Vereinbarungen zu treffen, die Behälter mit geringen finanziellen Mitteln als Löschwasserbehälter nutzbar zu machen. Im letzten Jahr konnten wir zwei Eigentümer für dieses Modell gewinnen“, berichtete Preuss während seiner Ausführungen zur jährlich fortgeschrieben Mittelfristigen Bedarfsplanung.

Fachzug "Wassertransport" Übung 03.09.2026Der Schwerpunkt einer aktuellen Zugübung wurde auf die Zusammenarbeit und Kommunikation der Einsatzkräfte gelegt. Fotos: Oliver Eckl Als weitere Investitionen für den Zeitraum 2027 bis 2031 beschloss das Gemeindekommando der Freiwilligen Feuerwehr, dass dem 2026 fertiggestellten Feuerwehrhaus Bissendorf ein allen gesetzlichen Vorgaben entsprechendes Feuerwehrhaus in Schledehausen folgen muss.

Erste Planungsgespräche für ein solches Funktionsgebäude, in dem die Kameradinnen und Kameraden ein sicheres Arbeitsumfeld mit zeitgemäßer Ausstattung und Sanitäreinrichtung erhalten sollen, sind nach der Vergabe der Architektenleistung kürzlich erfolgt.

Erfreulich: Die Ausstattung aller 200 Einsatzkräfte mit neuen Uniformen war als kostengünstige Sammelbestellung beim Logistikzentrum Niedersachsen erfolgt und blieb dadurch mehr als 10.000 Euro unter dem geplanten Budget. Inzwischen ist auch die Ausschreibung für neue Schutzkleidung erfolgt. Eingeplant sind hierfür 280.000 Euro.

Darüber hinaus plant das Gemeindekommando Neu- und Ersatzbeschaffungen in den Bereichen Navigationssysteme mit Alarminformationen, Ausstattung für Atemschutzgeräteträger, Funkausstattung für Atemschutzgeräte sowie Mittel zur Erneuerung der 35 Jahre alten Tragkraftspritze der Ortsfeuerwehr Bissendorf ein.

Laut Bericht des Gemeindebrandmeisters wurde die Freiwillige Feuerwehr Bissendorf 2026 bisher zu 86 Einsätzen gerufen – also durchschnittlich alle drei Tage – weil z.B. Personen in Not oder Sachwerte gefährdet sind. Erst Ende Juli beteiligten sich Kräfte der Gemeindefeuerwehr im Rahmen der Kreisfeuerwehrbereitschaft aufgrund eines Vegetationsbrands in Bohmte an einem überörtlichen Großeinsatz.

„Die Bürger können sich auf ein starkes Team Sicherheit in der Gemeinde verlassen“, schloss Preuss seine Ausführungen. Zeitgleich wies der Gemeindebrandmeister darauf hin, dass sich die Feuerwehr insbesondere durch Klimawandel, Extremwetter und veränderte Sicherheitslagen auf ein breiteres und komplexeres Einsatzspektrum einstellen muss. Daraus entstehe zusätzlicher Bedarf an Technik, Logistik, Notstrom, Kommunikation, Führung und Material für länger andauernde Einsatzlagen.

Bernd Stegmann, Fachdienstleiter Ordnung und Soziales, informierte zuvor über einen aktuellen Grund zum Feiern: „Die Jugendfeuerwehr begeht am 10. Oktober ihr 30-jähriges Bestehen. Wir sind sehr stolz auf dieses Rückgrat zur qualifizierten Nachwuchsgewinnung. Das gilt natürlich auch für unsere Kinderwehr!“